Gilgamesch
Epos - orientalische dichtung ( textfragment - insel verlag 1949 -
ex libris 1964 ):
Gilgamesch
sprach zu ihm, zu dem Jäger:
"Geh nur, mein Jäger, nimm dir ein blühendes Weib aus
Ischtars Tempel. Führe sie zu ihm. Wenn er kommt mit den Tieren
zur Tränke, werfe sie ab ihr Gewand, damit ihre Fülle er
nehme. Wird er sie sehen, so wird er ihr nahen. Also wird er entfremdet
werden dem Vieh, das mit ihm wuchs auf dem Felde."
(-)
Sie waren allein. Sechs Tage und sieben Nächte erkannte Enkidu
das Weib, vereinte sich ihr in der Liebe. Von ihrer Schönheit
gesättigt, erhob Enkidu sein Antlitz und blickte umher auf der
Steppe. Er spähte nach den Tieren. Kaum sehen sie ihn, da jagen
im Sprung die Gazellen davon. Die Tiere des Feldes scheuen vor ihm
zurück.
die
ursage wird auf 2400 v. Chr. angesetzt; sie wurde mitsamt der keilschrift
den babyloniern überliefert.
in diesem fragment ist die "erkenntnis" ( Enkidu ) unmittelbar
mit geschlechtlicher vereinigung verknüpft und führt zur
entfremdung des menschen von der natur. die parallele zur vertreibung
aus dem paradies in der bibel ist offensichtlich. es finden sich weitere
parallelen im epos, die sieben hungerjahre, die große sintflut.
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