die
feigen sind von ihren zweigen gefallen, und die ölbäume
haben ihre ölfrucht verloren: ein unerhörtes ist auf
der insel skyros geschehn. verfolgt von einem jüngling
floh eine jungfrau. sie hatte den saum ihres kleides
hochgezogen, und man sah einen streif ihres gazestrumpfes.
wie sie so lief, ließ sie ein silberspiegelchen fallen.
der jüngling hob es vom boden und spiegelte sich darin;
er betrachtete seine augen, die er voll weisheit sah,
hatte ihr kluges wesen lieb, gab die verfolgung auf
und setzte sich hin auf die wiese.
das
mädchen aber floh von neuem, ein mann in der vollkraft
seiner jahre war hinter ihr her. sie hatte ihr kleid
hochgeschürzt, und ihre schenkel leuchteten wie zwei
früchte. im lauf rollte ein paradiesapfel aus ihrem
schoß. und ihr verfolger hob den apfel auf, barg ihn
in seiner tunika, fand ihn anbetungswert, gab die
verfolgung auf und setzte sich in den sand.
das
junge weib floh weiter, aber schon minder rasch; denn
ein schwankender greis hatte die verfolgung aufgenommen.
ihr kleid hatte sie wieder fallen gelassen, die knöchel
schimmerten, umwickelt mit buntgestreiftem band. jetzt
aber, während sie lief, geschah das unerhörte: ihre
brüste lösten sich los, eine nach der andern, und
fielen auf den boden wie reife mispeln. der greis
sog sie beide aus. das weib stieß, eh sie sich in
den fluß stürzte, der die insel skyros umgab, zwei
schreie aus, zwei schreie des schreckens und des bedauerns.
marcel schwob
- gabe an die unterwelt - die mimen - mime XIII
( aus dem französischen von jakob hegner
fischer bücherei februar 1960 )
ex
libris 1963
das
ist ja alles nur theater / that´s all just an act